Sonntag, 13. März 2011

Brief der Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo-Yokohama

Liebe Freundinnen und Freunde!
Wir haben viele Anfragen aus Deutschland bekommen, die wissen möchten, wie wir hier in Tokyo die Folgen des großen Doppelerdbebens mit den vielen Tsunami-Wellen erleben.
Wir sind erschüttert von der Unermesslichkeit des Leids, das über so viele Menschen gekommen ist.
Die Kirche und das im Bau befindliche Pfarrhaus haben keine Schäden.
Mein Mann und ich sind zu Hause vor laufendem Fernseher. Auf allen Kanälen werden die neuesten Informationen zur Lage ausgestrahlt. Das hilft uns, nicht in Panik zu verfallen. Da wir nicht unmittelbar von den Folgen der Tsunamiwellen betroffen sind, gehen unsere Gedanken allmählich auch dahin, wie wir in der nächsten Zeit zur Hilfe beitragen können.

Wir warten angespannt auf neue Nachrichten über den Zustand der beiden Kernkraftwerke, in denen Störfälle aufgetreten sind. Etwas erleichtert uns die Nachricht, dass von den drei Reaktorblöcken, die Probleme machen, bei zweien die Maßnahmen erfolgreich zu verlaufen scheinen. Beim dritten Reaktorblock -  im Kernkraftwerk Fukushima Dai ni – weiß man noch nicht, wie es weitergeht. Aber  wir können nicht weglaufen, hoffen das Beste und bleiben ruhig.

Die Japaner reagieren sehr gelassen auf die Situation. Sie leben ständig mit der Möglichkeit einer Naturkatastrophe. Sie sind deshalb gut auf die verschiedensten Szenarien vorbereitet. So gut, wie man es angesichts der Unberechenbarkeit solcher Ereignisse nur sein kann. Alle widmen sich sehr diszipliniert den Pflichten, die sie für diesen Fall übernommen haben. In immer wieder veranstalteten  Katastrophenschutzübungen sind alle sehr genau mit ihren jeweiligen Aufgaben im Katastrophenfall vertraut.

Der nationale Christenrat in Japan hat einen Fürbitten- und Spendenaufruf gestartet und hat angefangen, Hilfe für die betroffenen christlichen Gemeinden zu organisieren.
All das steht noch ganz am Anfang. Es ist noch kein Überblick über die Lage zu gewinnen.
Man ist hier in Japan, besonders in dem betroffenen Gebiet, auf solch ein Szenario sehr gut vorbereitet. Notunterkünfte mit  Decken, Essensrationen, zusätzlichen Heizöfen sind überall vorhanden. Das Ausmaß ist dieses Mal zwar besonders groß, weite Landstriche sind verwüstet, ganze Dörfer weggespült. Aber die örtliche Selbsthilfe ist sofort angelaufen, die Verteidigungsstreitkräfte sind vor Ort. Viele Orte sind allerdings von der Kommunikation abgeschnitten, so dass man über das Ergehen vieler hundert Menschen noch gar nichts sagen kann.
 Die Aufräumarbeiten werden sehr lange brauchen.

Einige deutsche Familien haben sich am Samstag nach Südjapan begeben und entscheiden von dort, ob sie nach Deutschland zurückkehren. Manche Firmen raten ihren Mitarbeitern, nach Deutschland zu fahren.

Der Gemeindevorstand hat den Gottesdienst heute kurzfristig abgesagt, weil noch nicht absehbar ist, wie die Reaktorstörfälle weitergehen. Reisewege sind hier weit. Und die deutsche Schule, in der der Gottesdienst stattgefunden hätte, ist heute noch geschlossen, da auch sie zeitweise kein Wasser und keinen Strom hatte.
Wir haben Fürbitten an alle Gemeindeglieder verschickt und werden den Gottesdienst auf den kommenden Mittwoch verschieben.
Es tut uns gut, zu hören, dass in Deutschland und vielen anderen Ländern sehr viele Freunde und Bekannte die Situation hier in ihre Gebete einschließen.

Betet bitte weiterhin für die Menschen hier. Das ist im Moment das Wichtigste, was man tun kann.

Elisabeth Hübler-Umemoto

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