Freitag, 6. Mai 2011

Bericht aus Iwate, 30. April - 4. Mai 2011

Eine kleine Gruppe aus unserer Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Tokyo fuhr nach Iwate, um die Menschen kennen zu lernen, denen wir die aus Deutschland kommenden Spenden weitergeben werden.

Mitgefahren sind: Jesper Weber, Renate Tamamushi, Naoto Umemoto und Elisabeth Hübler-Umemoto. Am Ort trafen wir zusammen mit Mineko und Masami Yokoyama, alten Freunden der Umemotos. Als „Reiseführer“ diente uns der Stadtrat aus Kamaishi, Herr Goda, der uns mit viel Engagement sehr interessante Menschen vorstellte, die ihre Stadt auf keinen Fall im Stich lassen wollen.
Hier Jesper Webers Bericht:


Die Anfahrt

Der Verkehr auf der Autobahn nach Norden aus Tokyo heraus fließt, am Gepäck erkennt man zwar, dass viele als Helfer ins Katastrophengebiet unterwegs sind, der befürchtete Stau zu den „Golden Week”-Feiertagen bleibt aber aus. Viele lokale Verwaltungen hatten einen „Freiwilligenstopp“ verhängt, nachdem die Quoten gefüllt waren.

Das ist gut so, denn wer als Tourist nur zum Schauen käme, ginge nicht ohne psychischen Schaden wieder weg. Die Bilder und Eindrücke lassen sich seelisch nur verarbeiten, wenn man konkret und aktiv etwas beitragen kann.

Der Nordosten und speziell die Pazifikküste war ein beliebtes Urlaubsgebiet, die fjordähnliche Küste „Sanriku” war sogar eine der „drei japanischen Landschaften”, und auch landeinwärts reihen sich malerisch Dorf an Dorf zwischen wunderschönen Bergen, Wäldern, Flüssen und Feldern.

Das Epizentrum des Bebens war im Pazifik vor der Küste der Präfektur Miyagi, südlich davon liegen Fukushima, Tochigi und Chiba, nördlich Iwate. Insgesamt war ein Küstenstreifen von über 500 km Länge vom Tsunami betroffen. Ab Fukushima wird die Autobahn wellig, streckenweise zum Waschbrett. Viele Stellen sind frisch asphaltiert, Straßenmarkierungen wie Mittellinien fehlen oft, ebenso die Leitplanken. Speziell Brücken, die wegen ihres Betonfundaments nicht oder nur wenig abgesunken sind, stehen deutlich höher als die Fahrbahn davor und danach. Andere sichtbare Schäden im Landesinneren beschränken sich auf einige herabgefallene Dachziegel, so dass die Dächer mit blauen Planen abgesichert wurden, und wenige sichtbar neue Erdrutsche.

Ungefähr ein Zehntel des Verkehrs auf der Autobahn sind Fahrzeuge der Selbstverteidungs-Streitkräfte (SDF, das japanische Berufsmilitär), die meisten sind durch ein Banner klar als im Katastropheneinsatz markiert.

Tohno

Die Stadt Tohno in der Präfektur Iwate liegt 50 km landeinwärts und hat Zubringerstraßen nach Kamaishi (Kama‘ishi), Otsuchi (Oh-tsutschi), Rikuzen Takata, Ofunato (Oh-funato) und anderen von der Welle zerstörten Küstenstädten. Die Hälfte der im Katastrophengebiet eingesetzten Truppen und viele freiwillige Helfer haben hier Quartier bezogen, das Militär hat in Tohno mehrere Zeltstädte aufgebaut.

Das Hotel ist hauptsächlich von Erdbebenhelfern belegt. Eine Gruppe von Ärzten und Krankenschwestern aus Osaka ist seit dem 22. März im Hotel stationiert. Das halbe Team wechselt jeweils nach einer Woche. Wir schämen uns etwas, als wir merken, dass sie morgens schon um 6:00 Uhr frühstücken, um 7:00 Uhr losfahren und abends erst gegen 8:00 oder 9:00 Uhr zurück sind. Sie sitzen dann schweigend am Tisch und essen erst einmal, bevor sich nach und nach die Spannung löst. Diese Leute stemmen ganz andere Gewichte als wir. Sie fahren jeden Tag nach Otsuchi und unterstützen dort die wenigen Überlebenden des Krankenhauspersonals.
Mitarbeiter eines Fernsehsenders sind ebenfalls sehr lange dort und wechseln sich immer wieder ab. Solide Berichterstattung hält uns allen die Opfer im Gedächtnis. Hilfe wird ja noch auf Jahre benötigt.
Im Gästebuch ist eine lange Lücke zwischen einem Eintrag vom 9. März, in dem ein Fahrschüler, der aus Tokyo zu einem Intensivkurs angereist war, darüber staunt, wie kalt es im Norden noch ist, und dem nächsten Eintrag vom 25. März. Ein Einwohner von Kamaishi bedankt sich. Nach zwei Wochen hatten sein Sohn und er zum ersten Mal wieder genug Benzin, um die 42 km und zurück von Kamaishi nach Tohno zum Einkaufen zu fahren. Er hätte sich nicht träumen lassen, dass ihm im Hotel ein warmes Essen und ein Bad angeboten würden, beides das erste nach zwei Wochen.

Das einzige vom Beben zerstörte Gebäude in Tohno ist das Rathaus, aber es fällt auf, dass viele Häuser frisch gedeckte Dächer haben. Nach sieben Wochen sind die Erdbebenschäden an den Dächern schon behoben. Das Rathaus wurde in das einzige Kaufhaus am Ort ausgelagert und belegt dort ein halbes Stockwerk. Neben den Schaltern befindet sich die Abteilung für Damenmoden. Auf über der Hälfte der Fläche sind schwarze Kleider im Angebot: Trauerkleidung.

Der Weg nach Kamaishi

Auf der Strecke von Tohno nach Kamaishi sind am 1. Mai, 51 Tage nach dem Beben, bis auf einige fehlende Dachziegel und viele frisch gedeckte Dächer keinerlei Spuren von Verwüstung zu sehen. Am Ortseingang von Kamaishi sind die Convenience Stores geöffnet, gut bestückt und nehmen normale Preise.

Unter der Brücke über den letzten Fluss vorm Hafen liegt ein wenig Bauschutt, plötzlich türmt er sich dann am Straßenrand zu Bergen auf. Die Hausfassaden sind eingedrückt, total zerstörte und teilweise ausgebrannte Autowracks säumen den Weg. Größere Straßen sind frei geräumt, aber nach nur einigen Schritten in die Seitengassen geht es durch den Schutt nicht weiter. An einigen Stellen, die unter den Meeresspiegel abgesunken sind, steht noch das Wasser. Die trockenen Stellen sind mit weißem Pulver bedeckt, nicht Kalk zum Desinfizieren, sondern getrocknetes Salz, eine eindeutige Markierung, wie weit das Wasser gekommen ist.

Vor Kamaishi war ein 10 m hohes Bollwerk gegen Flutwellen errichtet worden, die Kosten dafür betrugen 200 Milliarden Yen, ungefähr 1,7 Milliarden Euro. Es war das höchste in der Welt und wurde trotzdem über- und weggespült. Stadtrat Goda verwehrt sich gegen Vorwürfe in der Presse, man hätte aus Hybris die Mauer nicht hoch genug gebaut. Sie haben nämlich dennoch die Fluten eine Weile zurückgehalten und so den Menschen fünf zusätzliche Minuten zur Flucht verschafft, außerdem wurden viele Stadtteile vor der Überflutung bewahrt.

Ebenso hat eine erst sieben Tage vor der Katastrophe eröffnete Küstenstraße zwischen Kamaishi und Otsuchi, die weit oben am Hang verläuft, vielen Menschen das Leben gerettet. Wer die neue Straße noch nicht kannte und auf der alten mit dem Auto unterwegs war, wurde weggespült.

In Kamaishi sind 20 Prozent der Häuser zerstört. Der zweite Tsunami, der zehn Minuten nach dem ersten kam und weitaus höher war, forderte die meisten Todesopfer, die wieder nach unten gegangen waren, um ihr Haus zu verbarrikadieren, von Hügeln nach Hause zurückkehrten, um Wertsachen zu sichern, oder sich auf den Weg vom ersten Fluchtort in die designierten Aufnahmelager machten. Von 40.000 Einwohnern sind 801 tot aufgefunden worden, 124 davon konnten noch nicht identifiziert werden. 554 werden noch vermisst und 2.396 leben in Notunterkünften.

Otsuchi

Im benachbarten Otsuchi wurden über 80 Prozent der Häuser zerstört. Nach dem Beben trug der Tsunami brennendes Öl aus einem Kombinat am Hafen in die Stadt, nach der Feuersbrunst sind nur noch Haufen ausgebrannter Autos und einige Betonteile zu sehen. Vielen Einwohnern ist die Flucht nicht gelungen. Sie kannten sich mit Tsunamis aus und beobachteten das Meer, ob es sich zurückziehen würde, was ein typischer Vorbote in seichten Gewässern ist. Niemand konnte wissen, dass der Seeboden sich in Küstennähe durch das Beben stark abgesenkt hatte und der Wasserpegel somit gleich blieb.

Von 16.000 Einwohnern wurden 700 tot geborgen. 1.000 werden noch vermisst. Auf einer Anhöhe in 200 m Entfernung vom Hafen Otsuchi steht ein Gymnasium. Minuten nach dem Beben raste eine 10 m hohe Wasserwand auf die Schule zu und überflutete die unteren drei Stockwerke. Die meisten Leichen in Otsuchi sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Alle Zahnarztpraxen mit ihren Unterlagen sind ebenfalls weggespült und verbrannt worden, sämtliche Zahnärzte sind ums Leben gekommen. Wenn möglich wird die Identifizierung daher anhand von Daten wie vermutetem Aufenthalts- und späterem Fundort vorgenommen, so beispielsweise ein Busfahrer, der am Steuer seines ausgebrannten Fahrzeugs gefunden wurde.

Häuserruinen werden an ganz anderen Orten gefunden als wo sie gestanden hatten, und wo die Straßen verliefen ist nicht zu sehen. Deshalb werden bei den Aufräumarbeiten Fotoalben geborgen und vorsichtig gereinigt, während alles andere, ohne Rücksicht auf Eigentumsverhältnisse, abgeräumt wird. Die gefundenen Fotos werden in der Ruine des Gymnasiums ausgestellt, um erstens Menschen ihre Erinnerungen zu erhalten, und zweitens und fast noch wichtiger, anhand der Fotos beziehungsweise ihrer Fundorte Anhaltspunkte darauf zu erhalten, wo das Haus gestanden und wer darin gewohnt hat. Dadurch wird die Identifizierung erleichtert.

Die aufräumenden Soldaten müssen nach jeweils fünf Tagen abgezogen werden, denn länger ist der Einsatz psychisch nicht zu ertragen. Früher war es schlimm und selten, eine Leiche zu finden. Nunmehr ist es erleichternd und für die Menschen fast ein Anlass zur Freude, weil so ein Abschluss gefunden wird.
Stadtrat Godas größte Furcht ist, dass die Kommune auseinander gehen wird, weil die Industrien nicht zurückkommen und daher keine Arbeitsplätze erhalten bleiben. Neben der Fischerei waren ein Stahlwerk und eine Fabrik für Roboter-Bauteile die Hauptarbeitgeber in Kamaishi. 90 Prozent der Fischerboote im gesamten Katastrophengebiet wurden zerstört, Stahlwerk und Fabrik liegen in Ruinen. Vereinsamung ist eine weitere Sorge. Viele alte Menschen, die eigentlich in ihre Häuser zurückkehren könnten, kommen nach wenigen Tagen wieder in die Aufnahmelager zurück. Dort gibt es zwar keine Privatsphäre, dafür aber Gemeinschaft und etwas Unterhaltung, so dass die Enge als kleineres Übel zum Leben in einer zur Geisterstadt gewordenen Nachbarschaft erscheint.


Shinsei-Kamaishi Kirche

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
Ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

(Psalm 69, 2-3)

Vom Hafen breitet sich die Stadt Kamaishi ebenerdig für etwa 500 m zu fjordähnlichen Bergen hin aus. Die Shinsei-Kamaishi Kirche ist an den Berghang gebaut.
Vor Beginn des Gottesdienstes am 1. Mai kommt ein Ehepaar aus einer Vorstadt von Tokyo mit dem Fahrrad. Sie haben über 500 km einen Gaskocher mitgebracht, um frischen Kaffee auszuschenken. Nachdem alle bedient sind, sammeln sie die Becher ein und fahren weiter zur nächsten Station. Ein Notarztwagen aus Osaka steht vor der Kirche als provisorische Krankenstation, ein Arzt aus Nepal leistet Dienst. Unter einem Baldachin sind Helfer versammelt, unter ihnen eine ausgebildete Psychologin aus Yokohama, die jeden Passanten begrüßt.

Vor der Kirche steht eine Tafel mit einer Liste der Hilfsgüter, die ausgeteilt werden. Windeln, Wasser, Notrationen, Schuhe und anderes sind zu haben. Die Liste daneben für Dinge, die benötigt werden, ist leer. Was die Menschen wirklich brauchen sind Autos und Geld, um vor der Stadtgrenze einkaufen zu können.

Zum Gottesdienst haben sich 50 Gläubige aus ganz Japan eingefunden, Einwohner von Kamaishi, deren Angehörige aus anderen Städten, Helfer und Besucher. Der Kirchenraum ist weiß gestrichen, auf 4 m Höhe zieht sich waagerecht eine schmutzig-graue Linie. So hoch stand das Wasser. Unter dem Kreuz an der Altarseite ist die Wandverkleidung über eine Länge von 5 m weggedrückt worden, das Isoliermaterial liegt frei.
Pfarrer Yanagiya trägt, wie die meisten japanischen Pfarrer, keinen Talar. Es gibt keinen Altar und keine Kanzel, deshalb sitzt er vor der Gemeinde an einem Tisch. Er eröffnet den Gottesdienst, indem er die Anwesenden gruppenweise vorstellt. Alle werden mit kurzem Applaus begrüßt. Anstelle von Gesangbüchern, die das Meer sich geholt hat, sind das erste Lied und das Vaterunser in großer Schrift auf eine Tafel geschrieben. Für die weiteren Lieder spricht ein Gemeindemitglied den Text satzweise in die Atempausen. Die Musik trägt ein Geiger bei, der auch die Lieder begleitet.

Im Gebet spricht er davon, dass seit dem Beben und der Welle knapp zwei Monate vergangen sind. Es ist Mai geworden. Auch in Nordjapan blühen nun die Kirschen und der Frühling hat begonnen. Aber am 11. März ist für ihn die Zeit stehen geblieben.

Er beginnt zu weinen und braucht einige Sekunden, um sich zu sammeln. Er ist nicht der Einzige, und es bleibt nicht beim einen Mal.
In der Kirche gibt es auch nach sieben Wochen noch keinen Strom, und zwar fließendes Wasser, aber keine Abwasserleitungen. Natürlich wünschen sich alle Gemeindemitglieder eine schnelle Wiederherstellung der Infrastruktur, andererseits ist allen bewusst, dass sie nicht zu ihrer alten Realität zurückkehren können. Daher wird überlegt, einige Stellen nicht zu reparieren, und beispielsweise keinen neuen Flügel zu kaufen, sondern den alten zu reinigen und ewig verstimmt weiter zu benutzen. Die Wunden verheilen, aber Narben bleiben.

Die Predigt zu Johannes 20, 19-31 behandelt, wie der Jünger Thomas nicht an die Berichte von Jesu Auferstehung glauben will, ohne den Herrn mit seinen eigenen Augen gesehen und seine Wunden befühlt zu haben.

Ohne die Verwüstungen vor Ort mit eigenen Augen gesehen zu haben, kann man nicht glauben und verstehen, was die Bilder im Fernsehen zeigen.

Ohne einen Tsunami von 10 m Höhe und mehr zu sehen, kann man nicht glauben und verstehen, was die Natur für Kräfte hat.

Ohne die Hand in die Wunden zu legen, kann die Gemeinde keinen Glauben in an die Auferstehung der Stadt und ihres Lebens fassen.

Christus musste sterben, um aufzuerstehen, musste Wunden erleiden, um zu sterben. Und so mögen die Wunden der Stadt der Anfang ihrer Wiederbelebung sein.

Anstelle des Abendmahls wird durch das Teilen eines Brotlaibs an die Stunden und Tage nach der Welle erinnert. Die wenigen, die etwas Essbares hatten, haben es geteilt mit den vielen, die nichts hatten. Es hat für alle gereicht, bis Hilfsgüter angeliefert werden konnten.

Im Gottesdienst wird ein selbstgebackenes Brot vom Pfarrer in fünf Stücke gebrochen, die er den Teilnehmern in der ersten Reihe reicht. Jeder bricht sich etwas ab und gibt den Rest weiter. Weil es kein Abendmahl ist, können auch Kinder und Nichtgetaufte teilnehmen.

Und wie bei der Speisung der 5.000 kommt tatsächlich viel wieder vorne an.

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

(Psalm 46, 2-4)


Kamaishi-Hoiku-en Hort

Frau Fujiwara läuft nach dem Gottesdienst zum ersten Mal seit einigen Wochen auf den von ihr geleiteten „Kamaishi Hoiku-en“-Hort zu, und stellt mit Freude fest, dass die Straße wieder sauber sei. Dabei ist es tatsächlich nur die Fahrbahn selbst, die Häuser liegen in Ruinen, Autowracks und Müll versperren den Bürgersteig. In der ersten Zeit nach dem Beben, als sie nach Akten und brauchbaren Sachen suchen kam, waren die Straßen durch Schlamm, Schutt und tote Körper unpassierbar. Jetzt steht eine Kiste mit gelben, kindersicheren Scheren vor dem Eingang, die Helfer geborgen und gereinigt haben.

Am 11. März machten 78 Kinder im Alter von null bis fünf Jahren Mittagsschlaf, als die Erde sich um 14.46 Uhr aufbäumte. Der Hort liegt weniger als 500 m vom Hafen entfernt am Kopf einer Sackgasse, die geradeaus zum Berg an der Kirche führt, und macht regelmäßig Evakuierungsübungen.

Die Kinder schliefen im Erdgeschoss und waren nach nur zehn Minuten in Bollerwagen gepackt oder in Schlangen aufgestellt, und mit den sechs Erziehern und einem Verwaltungsangestellten zum Abmarsch bereit. Nicht nach Plan lief, dass die Straße vor dem Hort schon dann komplett mit Autos verstopft war. Weder die Bollerwagen, noch die benachbarte Feuerwehr konnten ausrücken. Ebenfalls anders als in den Übungen wurde über das öffentliche Lautsprechersystem nicht vor einem Tsunami, sondern vor einem Super-Tsunami gewarnt. Niemand wusste zwar, ab wann ein Tsunami zu einem Super-Tsunami wird, aber das nie vorher gehörte Wort versetzte sie in Furcht. Frau Fujiwaras Erinnerungen sind nicht ganz klar, sie meint, dass entweder die Feuerwehrleute oder die Lautsprecher ankündigten, eine Wasserwand von 10 m rase auf die Stadt zu. Vielleicht, so sagt sie, hat sie das aber auch erst später in ihre Erinnerungen eingebaut.

Jedenfalls entschied sie, anstelle zur 500 m entfernten Grundschule, die als Fluchtpunkt vorgeschrieben war, die 100 m geradeaus zum Park auf dem Berg zu gehen.

Diese Entscheidung hat allen Kindern in ihrer Obhut das Leben gerettet.

Nachdem die Kinder mittels einer Menschenkette auf den Hügel getragen waren, ging der Verwalter, Herr Yahata, noch mal zurück. Es war ein kalter Tag, und die Kinder trugen nur ihren Schlafanzug, also wollte er aus dem Hort Decken für sie holen. Er griff einige Futons, wieder aus der Tür heraus hörte er fürchterliches Getöse, ließ die Futons fallen und rannte um sein Leben. Sofort nachdem er den Hügel wieder erreicht hatte, schlugen von links und rechts die Fluten zusammen und setzten die Stadt 4 m unter Wasser. Viele Fahrer in den Autos, die die Straße blockiert hatten, wurden weggeschwemmt. Andere überlebten die Nacht an Strommasten festgeklammert, bis sich morgens das Wasser zurückzog.

Sechs Kinder wurden noch von ihren Eltern abgeholt, bevor die Welle ankam. Sie sind ums Leben gekommen. Andere Kinder haben ihre Eltern verloren, die sie in der Grundschule abholen wollten und nach dem ersten Tsunami Richtung Hort aufbrachen, als sie sie dort nicht fanden. Auf dem Weg wurden sie vom zweiten Tsunami erwischt.

Die nächsten drei Tage und Nächte mussten die Kinder und Erzieher ohne frisches Wasser und ausreichendes Essen im benachbarten Krankenhaus ausharren. Keines der Kinder soll geweint haben, sie standen zu sehr unter Schock.

Vom Hort stehen nur noch die Außenwände. Auf dem Spielplatz im Garten türmt sich Schutt, Autowracks wurden bis in die Räume getragen. Am 1. April hat er 8 km landeinwärts wieder geöffnet. Ein gerade erst geschlossenes Kindergartengebäude wurde von der Stadt ohne Miete zur Verfügung gestellt, und kann für drei Jahre benutzt werden. 38 Kinder, inklusive einiger Neuzugänge, sind zurückgekehrt.


Osanago-Yochien Kindergarten

Der Kindergarten Osanago-Yochi-en in Otsuchi liegt 400 m vom Meer entfernt. Als die Erde bebte, warteten die letzten 17 Kinder und sieben Erzieherinnen gerade auf den Bus. Die Erzieherinnen erinnerten sich an einen 50-cm-Tsunami vor einigen Jahren, und entschieden, die Kinder zu einem benachbarten Tempel zu evakuieren. Von dort wurden sie weiter auf einen Berg geschickt.

Nach nur zehn Minuten stand das Wasser im Kindergarten 2,20 m hoch. Spielplatzgeräte wurden später über 100 m landeinwärts gefunden, im Vorgarten lagen vier Leichen.

Im Büro hatte die Leiterin kurz vor dem Beben die Abschlussurkunden für den ältesten Jahrgang in Mappen gespannt und diese aufgeschlagen auf dem Schreibtisch liegen lassen. Am Tag nach dem Beben lagen sie wieder genau am gleichen Platz, trocken und unbeschädigt. Sie müssen auf dem eindringenden Wasser getrieben und wieder herabgesunken sein. Die Erzieherinnen haben sie einzeln an die Familien überbracht, als sie Besuche machten, um sich nach dem Schicksal der Kinder zu erkundigen.

Von den 17 Kindern sind alle bis auf eins, das von der Mutter noch abgeholt wurde und mit ihr ertrunken ist, gerettet worden. Sie haben die nächsten Tage mit den Erzieherinnen im Aufnahmelager verbracht, bis die Familien sie abholen konnten.
Die Leiterin, Frau Hakoyama, eine 80-jährige Dame, will ihr Lebenswerk nicht aufgeben, und mit einem funktionierenden Kindergarten und kommunalen Zentrum die Rückkehr in den Ort erleichtern. Die Erzieherinnen haben einen Monat lang geputzt und geräumt, erst allein, nach zwei Wochen mit Helfern. Anfänglich war Otsuchi für Freiwillige gesperrt, nur die SDF kümmerte sich um Rettung und Bergung, weil die Gase nach der Feuersbrunst für zu gefährlich gehalten wurden. Wasser gibt es erst seit dem 30. April wieder.

Von den ursprünglich 64 Kindern sind 34 weiterhin eingeschrieben, jeden Tag kommen ungefähr 20, nur zwei davon wohnen noch in ihrem alten Haus. Die anderen sind bei Verwandten oder in Aufnahmelagern untergekommen, teilweise über 20 km entfernt. Sie können oft erst spät abends abgeholt werden. Anders als ein Hort haben Kindergärten keine Küche, und viele Eltern können in den Notlagern keine Essenspakete zubereiten. Also helfen alle mit, die eine funktionierende Küche haben.
Draußen dürfen die Kinder nicht spielen, weil aus den ausgebrannten Ruinen weiterhin Schadstoffe und Gerüche herüberwehen. Die Fußbodenheizung im Kindergarten ist vom Wasser zerstört worden und die Wände sind feucht, aber strukturell wurde das Gebäude nicht stark beschädigt.

Viele Kinder weigern sich, zurück zu kommen, weil sie den Stress der täglichen Fahrt durch die Ruinenlandschaft nicht ertragen. Die Kinder, die kommen, spielen „Rennt-der-Tsunami-kommt!“ und klammern sich bei Nachbeben an die Erzieherinnen.

Alle 34 Kinder haben entweder ihren Vater, der am Arbeitsplatz ausharrte, oder ihre Mutter, die sie abholen wollte, oder ihre Großeltern, die die Flucht nicht schafften, verloren. Alle 34. Und von den 47 Kindern, die am Tag des Bebens nicht anwesend oder schon nach Hause gegangen waren, berichten die Erzieherinnen nicht, nachfragen verbietet sich.


Notunterkunft in der städtischen Sporthalle Kamaishi

Die Überlebenden teilen sich in zwei Gruppen: Menschen, die eine Aufgabe gefunden haben, und Menschen, die passiv und resigniert in den Notunterkünften sitzen. Erstere sind gesprächig und freuen sich über Interesse. Alle, die mit dem Leben davongekommen sind, haben andere beobachten müssen, die es nicht geschafft haben. Um sich selbst zu retten, mussten viele von ihnen aufgeben, anderen zu helfen. Im Gespräch ist sofort zu spüren, wer von ihnen Angehörige verloren hat: sie stehen unter enormem Druck, die Fassung zu bewahren, aber nach einigen Minuten bricht es doch aus ihnen heraus und sie erzählen ihre Geschichte, wie viele Verwandte gestorben sind oder noch vermisst werden. Sie wirken dankbar, dafür, dass ihnen zugehört wird, werden aber vielleicht nach dem Ansturm der Helfer während der Feiertage in ein neues Loch fallen.
Herr Maruki, der Chef vom Hotel Sunroute am Hafen von Kamaishi und Vorsitzender des Sozialvereins der Stadt, wurde nach einem späten Mittagessen daheim mit Freunden an seinem freien Tag vom Beben überrascht, als diese gerade gegangen waren. Seine Frau hörte beim Abwaschen ein Geräusch, wie fünf oder sechs Düsenjäger im Tiefflug auf das Haus zu rasen. Weil normalerweise keine Militärflüge über Kamaishi stattfinden, schaute sie aus dem Fenster und sah, wie der Tsunami über das Bollwerk kam. Zusammen machten sie sich Richtung Berg auf, die meisten Nachbarn hörten nicht auf ihre Warnungen, hielten das Bollwerk, welches ja das größte in der Welt war, für sicher und starrten der Gefahr ins Auge. Die Marukis haben sich nur einmal umgedreht, dann sind sie um ihr Leben gerannt. Die Welle war höher als sie.

Herr Maruki, dem Haus und Arbeitsplatz weggespült wurden, und der nur mit dem nackten Leben davon kam, fühlt sich seit dem 11. März wie im falschen Film, als hätte jemand mit einer großen Fernbedienung den Kanal im Fernseher seines Lebens umgestellt. Viele obdachlos gewordene stehen wie gelähmt vor den Trümmern, wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Eine Stelle frei zu räumen bringt die Stadt, das Haus, das alte Leben nicht zurück, und keine einzelne Stelle scheint wichtiger als irgendeine andere. Es ist kaum möglich, sich einen Ruck zu geben. So fällt den Freiwilligen die wichtige Rolle zu, loszuschaufeln, wo sie gerade stehen, den ersten Schritt zu tun. Daher wird vom Stadtrand in Richtung Hafen gearbeitet.
Jetzt koordiniert Herr Maruki die Verteilung der Hilfsgüter in Kamaishi, und lebt selbst in einer als Notunterkunft dienenden städtischen Sporthalle. Priorität hat für ihn der Bau von Häusern, um den Menschen ein Licht am Ende des Tunnels zu zeigen. 3.200 Einheiten sollen für Kamaishi und Otsuchi gebaut werden, aber es gibt kaum verfügbare Flächen. Ebener Grund ist nur in Küstennähe, die Gebiete dort sind verwüstet, oftmals unter den Meeresspiegel abgesunken, und der Boden langfristig durchnässt. Die Regierung musste die Bebauung aus Gründen der Tsunamigefahr weitflächig verbieten. Es stehen also nur Parks, Sportplätze und Schulhöfe zur Verfügung.
Ein Fertighaus mit zwei Zimmern, Küche und Bad kostet 5 Millionen Yen, etwas mehr als 40.000 Euro. Das Rote Kreuz stellt in jede Wohnung ein 6er-Set an Geräten: Kühlschrank, Klimaanlage, Waschmaschine, Herd und Spüle, Mikrowelle, Fernseher. Die Regierung hat versprochen, bis Ende August mit dem Bau fertig zu sein, aber die Marukis stellen sich auf eine längere Wartezeit ein. Als Ehepaar im Vorrentenalter ohne Kinder werden sie als letzte eine neue Wohnung zugeteilt bekommen, bis dahin leben sie in der Sporthalle, in der der einzige Ort, in dem man nicht den Blicken der anderen ausgesetzt ist, zwei in der Halle aufgebaute Campingzelte sind. Und die sind den Kindern für ihre Hausaufgaben vorbehalten.

Er appelliert auch an die Stadt, das Rathaus am alten Ort im Hafenbezirk wieder aufzubauen, trotz der Tsunamigefahr. Die Einwohner müssen wohl oder übel das Rathaus besuchen, und mit dem Publikumsverkehr würden auch Geschäfte und Restaurants in die Einkaufstraße zurückkehren.

Das alles erklärt er lächelnd und mit viel Energie, während seine Frau einer aus der Präfektur Miyazaki in Südjapan angereisten Gruppe beim Kochen von Eintopf für 200 Personen hilft. Er sagt aber auch: Wir weinen bis zur Brust, darüber strengen wir uns an, zu lächeln und das Leben in die Hand zu nehmen. Und zum Abschied sagt er uns: Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht so gewaltig anstrengen müssen, wie wir es jetzt tun müssen.


Beethovens Neunte

Genauso wie Herr Maruki steht der Hochschullehrer Prof. Yamazaki vor dem Nichts und weigert sich, vor dem Aus zu stehen. Auch er ist mit seiner Frau vor dem Tsunami weggelaufen und mit dem nackten Leben entkommen. Jetzt leben sie in einem buddhistischen Tempel, der als Notunterkunft dient, und von dessen Parkplatz sie dem Tsunami zusehen mussten, wie er ihr Haus zerstörte. Die ersten zehn Tage waren dort bis zu 530 Flüchtlinge untergebracht, es war zu eng, um im Sitzen oder Liegen die Beine auszustrecken, es gab keine Kleidung zum Wechseln und kein Bad.
Prof. Yamazaki ist Musiker. Seit 33 Jahren wird in Kamaishi am zweiten Sonntag im Dezember Beethovens Neunte Symphonie aufgeführt. Schon die Mittelschüler üben die Chorpartien, sogar Kindergartenkinder und Grundschüler singen kurze Passagen mit. Begleitet werden sie von Orchestern, die hauptsächlich aus Tokyo anreisen. Prof. Yamazaki dirigiert seit einigen Jahren. Als Zugabe gibt es traditionell den Schlusschor mit 1.500 Stimmen: das Publikum singt mit und viele reisen deshalb aus ganz Japan zu dem Konzert an, um in den Chor einzustimmen.

Aufführungsort war die Stadthalle, die vom Tsunami schwer beschädigt wurde und wahrscheinlich abgerissen werden muss. Viele Instrumente wurden weggespült, und Prof. Yamazaki hat seine Partitur mit eigenen Notizen verloren.

Jetzt erst recht. Die Hürden wirken unüberwindlich, aber Kontinuität und Zusammengehörigkeitsgefühl, Mut und Hoffnung, und auch Stolz sind nötig, um Kraft aus der Zukunft zu schöpfen, wie Prof. Yamazaki es ausdrückt. Dieser Wunsch wird auch von unserem „Reiseführer“ Stadtrat Noda und vielen anderen wiederholt geäußert, so dass sie versuchen wollen, wahrscheinlich in kleinerem Rahmen, in einer Sporthalle und mit Begleitung durch mindestens ein Kammerorchester, jedenfalls diese Tradition ohne Unterbrechung weiterzuführen.

Viele Bürger von Kamaishi wissen, dass im Berliner Dom, in der Philharmonie und an vielen anderen Orten Benefizkonzerte zugunsten Japans gehalten wurden. Das hat ihnen viel Kraft gegeben, und in Erinnerung gerufen, dass Musik zwar vielleicht nicht zum Leben unbedingt nötig ist, und daher in Kamaishi rational kaum Priorität hat, aber eben doch so viel bewirken kann, dass die Aufführung der Neunten Symphonie gerade dieses Jahr unverzichtbar ist.


Ortsausfahrt

Neben der Ortsausfahrt steht abends ein alter Mann am Straßenrand und schaut auf die Nummernschilder der wegfahrenden Autos. Jedes Mal, wenn er eines von außerhalb der Präfektur entdeckt, reißt er ein handgeschriebenes Schild hoch wie ein Nummerngirl zwischen den Runden beim Boxkampf:

„Danke fürs Helfen!“


Bis hierher: Text von Jesper Weber mit einigen Ergänzungen von E. Hübler-Umemoto. Bilderalbum zum Text hier.

Ofunato und Rikuzentakata

Zwei Ortschaften südlich von Kamaishi. Ofunato liegt in einem engen Fjordtal und ist zu einem Drittel zerstört. Die evangelische Kirche liegt etwas erhöht und ist vollständig erhalten. Pfarrer Muraya begrüßt uns und zeigt uns den Gemeinderaum, der zu einem Warenlager umfunktioniert wurde. Hier können sich die Menschen holen, was sie zum alltäglichen Leben brauchen: Windeln, Kleidung, Schuhe, Kinderspielzeug, Papier und Stifte, Zahnbürsten. Lauter Spenden, die aus ganz Japan gekommen sind.
In der Kirche übernachtet eine Studentengruppe aus Tokyo, die über die goldene Woche als Helfer im Einsatz sind.
Anschließend fahren wir nach Rikuzentakata, einer Nachbarstadt, die unsere Freunde, Ehepaar Yokoyama, oft besucht haben. Mit Entsetzen sehen wir die Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Ein vorgelagerter Kiefernwald ist bis auf einen Baum nur noch an den abgebrochenen Stümpfen zu erkennen. Die Schutzmauer gegen Tsunamis ist weggespült, nur ein einsames Fluttor ist stehen geblieben. Zu den angrenzenden Bergen hin türmen sich die Schuttberge der Häuser, Autos und der vielen Gegenstände, die vorher diese Stadt gebildet haben. Die Straße, auf der wir fahren, ist ganz neu geteert, provisorisch wieder hergestellt für die schweren Räumfahrzeuge, die überall fahren, Metall von Brennbarem trennen und große Abfallberge errichten. Hier hatten die Menschen keine Überlebenschance. Zu weit entfernt waren die umgebenden Berge, zu weit entfernt für die meisten auch das Hotel mit seinen 7 Stockwerken, von denen die Tsunamiwellen bis zum 3. Stock gekommen sind.


Frühling in Iwate
Auf dem Rückweg fahren wir bewusst durch ein malerisch schönes Tal, gesäumt von Bergen bedeckt mit Mischwäldern, die sich in den verschiedensten frühlingshaften Grün-, Rot- und Gelbtönen zeigen. An allen Ecken, auch in den Wäldern, immer wieder blühende Kirschbäume. Die Straßenränder gesäumt von endlosen Reihen von Osterglocken, tiefrosa Steingarten-Blüten in großen Flächen in den Gärten, vom Wasser schimmernde Reisfelder vor einem tiefblauen Himmel.

Die Natur, die sich so grauenvoll, so zerstörerisch gezeigt hat, hier zeigt sie ihr liebliches Gesicht. Auch in diesem Jahr ist Frühling geworden und wir halten uns fest an dieser Schönheit, um ertragen zu können, was wir gesehen haben.

In Tohno ist Frühlingsfest mit traditionellem Löwentanz. Lokale Tanzgruppen treten auf, zwischendrin Musiker aus der Gegend, die aber jetzt in Tokyo arbeiten. Sie sind angereist, um den Menschen in ihrer Heimat neuen Mut und neue Kräfte zu geben durch die Musik.

In „normalen“ Jahren sind in dieser Zeit auch viele Touristen unterwegs. In diesem Jahr haben die vielen freiwilligen Helfer die Quartiere zum Übernachten besetzt. So ist das Publikum des Festes nur klein, aber man spürt den Zusammenhalt der Menschen und den Willen, etwas füreinander zu tun.
Abreise

Am folgenden frühen Morgen verabschieden wir uns von den Wirtsleuten, die nach alter Ryokan (japanisches Gasthaus)-Tradition alle vor der Haustür stehen und sich zum Abschied tief verbeugen. Ein Familienbetrieb, bestehend aus dem Besitzerehepaar, der Tochter, einer Tante und dem Enkel, der kocht. Sie haben alle seit dem 11. März keinen freien Tag gehabt, aber sie sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch sie sind Erdbebenhelfer.

Kamaishi, wir werden sicher wieder kommen, um den Menschen auf unsere bescheidene, eher symbolische Weise Mut zu geben, den Wiederaufbau zu wagen.
Elisabeth Hübler-Umemoto

Die Bilderserie zu oben stehendem Bericht finden Sie im Webalbum.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für diese neuen und so eindrücklichen Informationen. Wir können nicht mehr tun, als die stärkste Waffe der Christen einsetzen: das Gebet - aber das wollen wir tun.

    Herzliche Grüße aus Saint Dié in den Vogesen!

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